Bezirksversammlung beschließt Schritte

Kleiner Aufwand, große Wirkung: Neue Straßenmarkierungen könnten viel für die Verkehrswende bewegen

Man sieht eine einspurige Autofahrbahn und breite markierte Schutzstreifen für Fahrräder links und rechts. Links säumen Bäume die Straße. Die Fahrradschutzstreifen sind mit gestrichelter Linie und roter Farbe gut erkennbar.
Einspurige Autofahrbahn, breite Schutzstreifen: Das "Heusenstammer Modell" ist in u.a. in den Niederlanden längst etabliert. Foto: Britta Ost.

Was, wenn enorme Fortschritte für Fahrradverkehr und Sicherheit allein durch neue Markierungen auf der Straße erzielt werden können?

Die Francoper Straße ist eine Landstraße und soll in Zukunft auch noch eine Radroute Plus werden, also eine Fahrradstrecke in guter Qualität für längere Distanzen. Dabei kommt ein Konzept für Fahrradwege ins Spiel, was in der kleinen Gemeinde Heusenstamm in Hessen bereits unglaubliche Verbesserungen für die Verkehrssicherheit und für die Mobilitätswende hervorgebracht hat.

Dieses sogenannte „Heusenstammer Modell“ ist simpel: Es werden auf Straßen, auch auf schmalen, rote Schutzstreifen für Radfahrende markiert. In der Mitte gibt es eine einspurige Fahrbahn für Autos und keinen Mittelstreifen mehr. Im Begegnungsverkehr weichen die Autos auf die Fahrradstreifen aus. Dadurch fahren Autofahrende viel vorsichtiger und bleiben eher hinter dem Radverkehr, wenn ein Auto entgegenkommt. Das Modell entwickelten die Heusenstammer Verwaltung mit Steffen Ball (CDU) als Bürgermeister mit Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann an der Hochschule Darmstadt. Seitdem testen sie diese äußerst kostengünstige Maßnahme in einem ausgiebigen Verkehrsversuch mit beeindruckenden Ergebnissen.

Die Zahl der Radfahrenden stieg um 20 Prozent. Der Anteil der Radfahrenden auf dem Bürgersteig sank zugleich von 88 auf 19 Prozent. Autofahrende seien deutlich defensiver unterwegs, Verletzte durch Unfälle gab es im Versuchszeitraum gar nicht. Auch der Anteil an Überholvorgängen mit weniger als 1,5 Metern Abstand sank von 30 auf 11 Prozent. Trotz dessen gibt es kaum Einschränkungen für den Autoverkehr. Diese Ergebnisse überraschen nicht, da das Modell in anderen europäischen Ländern wie in den Niederlanden längst etabliert und erfolgreich ist. Ein ausführlicher Bericht ist hier nachzulesen.

Die Bezirksversammlung in Harburg beschloss in der monatlichen Sitzung am 22.09., dass diese Idee für die Francoper Straße weiter verfolgt werden soll. Es gibt nämlich einige Einschränkungen, etwa die aktuelle Straßenverkehrsordnung (StVO). Diese sieht eine Autofahrbahn von mindestens 4,5 Metern vor, wenn es Fahrradschutzstreifen gibt – die Idee des Heusenstammer Modells basiert jedoch auf einer viel schmaleren Fahrbahn. Daher wird in naher Zukunft Prof. Dr.-Ing. Follmann oder eine Vertretung aus seinem Team der Hochschule Darmstadt in den Ausschuss für Mobilität uns Inneres eingeladen. Es soll dann um die Übertragbarkeit des Modells auf den Bezirk Harburg und besonders auf die Francoper Straße gehen.