Anfragetext
Mütter werden nach der Entbindung früh aus der Klinik nach Hause entlassen. Viele Mütter entbinden
ambulant und gehen bereits nach einigen Stunden nach Hause, andere Mütter werden
ein oder zwei Tage nach normalen Geburten, nach Kaiserschnitten oft nach zwei bis drei Tagen
entlassen. Die allererste Zeit mit dem Neugeboren ist eine besonders sensible Zeit für die Mutter-
Kind und Eltern- Kind Bindung. Mütter sind mit vielfältigen körperlichen Veränderungen konfrontiert,
Rückbildungsvorgänge nach der Geburt, Beschwerden durch Geburtsverletzungen
und Kaiserschnittnarben, Blutungen, Stillprobleme, gestörter Nachtschlaf, Versorgung des Neugeborenen
stellen hohe Anforderungen. Viele Eltern haben wenig oder keine eigene Erfahrung
mit der Versorgung eines Neugeboren und benötigen gerade in den ersten Tagen und Wochen
Unterstützung.
Laut Sozialgesetzbuch (SGB) V hat jede Versicherte Anspruch auf Hebammenhilfe nach der
Geburt. Die Bürgerschaft hat am 18.6.2014 ein Ersuchen gestellt, die Datengrundlage zur Hebammenhilfe
in Hamburg zu erstellen. Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz hat
die Hebammen in Hamburg befragt und im Dezember 2015 einen Bericht veröffentlicht. Der
Gesundheitsausschuss der Bürgerschaft hat am 29.2016 dazu getagt.
Im Bericht zur Hebammenhilfe der BGV heißt es „Auf regionaler Ebene sind auf den ersten
Blick jeweils mehrere zusammenhängende Regionen identifizierbar, die sich durch einen hohen
Anteil von Müttern auszeichnen, die nachgeburtlich nicht durch die befragten Hebammen betreut
wurden. „ .. die südlich liegenden Stadtteile Heimfeld, Harburg Eißendorf mit ca. 2000 Geburten
/ Jahr, ca. 80 % Frauen ohne nachgeburtliche Betreuung, überwiegend in schlechterer
sozialen Lage.“
Das Ergebnis dieses Berichts deckt sich mit den alltäglichen Erfahrungen der Frauenärztinnen
und Frauenärzte und der Mütterberatungsstellen.
Vor diesem Hintergrund bitten wir die zuständige Fachbehörde um die Beantwortung folgender Fragen:
1. Welche Gründe sieht die Fachbehörde dafür, dass im Bezirk Harburg ca.80% der Frauen ohne
Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme sind?
2. Die schlechte Versorgung der Frauen nach der Geburt ist der Behörde seit Ende 2015 bekannt.
Welche Maßnahmen hat die Behörde veranlasst diesen Zustand für die Frauen zu verbessern?
Wenn keine Maßnahmen veranlasst wurden, warum nicht?
3. Die Krankenkassen sparen stationäre Kosten, wenn Frauen nach der Geburt früh entlassen
werden. Gibt es Gespräche der BGV mit den Krankenkassen über die Unterversorgung von
Frauen im Bezirk Harburg nach der Geburt und Vorschläge zur Verbesserung der Versorgung
und wenn nicht, soll das in Zukunft erfolgen? Wenn das bisher nicht geplant ist, warum ist das
nicht geplant?
4. Welche Hilfen erhalten Frauen in schwierigen sozialen Lagen, Alleinerziehende und Frauen
mit Migrationshintergrund nicht durch Beratungsstellen, sondern durch aufsuchende Wochenbettbetreuung
zu Hause nach der Geburt?
5. Was ist der BGV über Angebote für nachgeburtliche Betreuung des Mariahilf Krankenhauses
als einziger Geburtsklinik im Bezirk bekannt und gibt es Gespräche mit der Klinik über fehlende
Hebammenhilfe bei der Mehrheit Wöchnerinnen nach der Entlassung und Ansätze für Lösungsmöglichkeiten
und wenn nicht, warum nicht?
6. Können Ausbildungsplätze für Hebammen erhöht werden oder ist das in der Zukunft geplant?
Wenn ja, wie wird der Bedarf errechnet und bis wann wird die Versorgung erfüllt sein? Wenn
nein, warum nicht?
8. Welche Anreize können für Hebammen geschaffen werden, damit die Versorgung im Bezirk
Harburg verbessert wird, z.B. Bereitstellung von günstigem Wohnraum oder gibt es andere Vorschläge,
für Hebammen die Wahl ihres Wohn-und Arbeitsortes in Harburg attraktiver zu gestalten?
Wenn nein, warum nicht?
9. Die Schwangerenvorsorge ist durch die ambulante ärztliche Versorgung sichergestellt. Gibt
es Überlegungen der BGV auch für die Hebammenversorgung nach der Geburt einen Sicherstellungsauftrag
einzuführen? Wenn nein, warum nicht?
10. Ist die BGV bereit, einen Runden Tisch Nachsorge nach der Geburt mit Gesundheitspolitikerinnen
und Gesundheitspolitkern, Vertreterinnen und Vertretern der Krankenkassen, der Geburtskliniken
und des Hebammenverbands, der Kinder- und Frauenärzte einzurichten, um nach
Lösungsmöglichkeiten für die Sicherstellung der Wochenbettversorgung in Harburg und Hamburg
zu erarbeiten, wenn nein, warum nicht, wenn ja, wann?
Übersicht
| Antragsteller*In | Dr. Gudrun Schittek, Tülin Akkoc, Britta Herrmann, und GRÜNE Fraktion |
| Status | weitere Infos zu dieser Anfrage in Informationssystem der Bezirksversammlung unter Drucksache 20-2885 hier |
| Datum | 04.05.2017 |
