Im Zuge der Haushaltsberatungen des Deutschen Bundestages wurde bekannt, dass in der mittelfristigen Finanzplanung des Finanzministeriums keine Mittel für den Bau neuer Autobahnen im Norden vorgehalten werden. Dies betrifft neben dem Weiterbau der A 20 in Schleswig-Holstein und dem Lückenschluss der A 39 in Niedersachsen auch den Bau der A 26 Ost in Hamburg.
„Diese Nachricht kommt überraschend, ist aber erfreulich“ sagt Michael Sander, verkehrspolitischer Sprecher und Co-Vorsitzender der Grünen Fraktion in der Bezirksversammlung Harburg. „Jahrzehntelang haben wir das Autobahnnetz immer weiter ausgebaut und viel zu wenig für die Unterhaltung getan. Jetzt stehen wir vor riesigen Sanierungsbedarfen, vor allem bei den Autobahnbrücken, die nicht für die aktuellen Belastungen geplant und gebaut wurden. Deshalb ist es richtig, jetzt den Bestand zu sanieren, anstatt immer neue Autobahnen zu bauen. Der Fokus muss auf umweltverträglichen Verkehrsmitteln liegen.“
Die Harburger Grünen sind seit vielen Jahren gegen den Bau der A 26 Ost. In der letzten Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Inneres (MobI) der Bezirksversammlung hatten die Autobahn GmbH und die DEGES zu den Maßnahmen der A 26 West und A 26 Ost berichtet. Die unerwarteten technischen Herausforderungen beim Bau der A 26 West waren einer der wesentlichen Gründe für die enormen Zeitverzögerungen bei dem Projekt. Mit einer Eröffnung wird derzeit erst Ende 2027 gerechnet.
„Aus Fehlern kann man lernen. Anstatt die A 26 Ost ebenfalls mit gigantischem Aufwand durch wertvolle Moorflächen zu bauen, sollte besser die vorhandene Haupthafenroute ertüchtigt und an die A 1 angeschlossen werden. Das trifft auch den Bedarf der Betriebe im Hafen besser als die Planungstrasse im Süden, wo gar kein Hafen mehr ist“, meint Britta Ost, Mitglied im MobI und im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksversammlung.
„Der ‚maritime Koordinator‘ der Bundesregierung, Christoph Ploß, setzt sich hier für ein Projekt ein, das mittlerweile auch von der Hafenwirtschaft nicht mehr gewollt ist. Wer dem Hafen wirklich helfen will, setzt sich für den Ausbau der Hafenbahn, für die Erneuerung der Köhlbrandbrücke und für Zukunftsinvestitionen für das post-fossile Zeitalter ein“, so Heinke Ehlers, Kreisvorsitzende der Harburger Grünen.
Die Harburger Grünen weisen darauf hin, dass auch die behauptete Entlastung der B 73 auf mittlerweile überholten Berechnungen beruht. Planungsgrundlage war die Verkehrsprognose 2035 des Bundesverkehrsministeriums. Mittlerweile liegt die Verkehrsprognose 2040 vor, die im privaten Verkehr mehr Umstiege vom Auto auf den ÖPNV erwarten lässt und im gewerblichen Verkehr mit einer stärkeren Verlagerung der Kapazitäten von der Straße zur Schiene rechnet.
„Hafenverkehr sollte vom Hafen aus auf kürzestem Weg auf eine Autobahn kommen. Für Pendler*innen dagegen müssen wir den Umweltverbund attraktiver machen, sodass weniger Menschen mit dem privaten PKW in die Hamburger Innenstadt fahren. Damit können wir die B 73 genauso entlasten und sie dann auf einigen Abschnitten umgestalten“, sagt Jakob Mellem, Kreisvorsitzender der Harburger Grünen.
