„Die wir riefen, die Geister, werden wir nun nicht los.“ 

Sie gehören zum Stadtbild selbstverständlich dazu und das schon seit vielen Jahrhunderten: Stadttauben. Dabei sind sie alles andere als natürlich. Tauben wurden seit Jahrtausenden wegen ihres Fleisches und ihrer Eier gezüchtet und aufgrund ihrer Treue zum Partner und zum heimatlichen Schlag als Brieftauben gezüchtet. Den Tieren wurde ein permanenter Brutzwang angezüchtet, so dass sie bis zu sechs Mal im Jahr brüten. Und so werden sie nicht erst seit gestern mancherorts zum Ärgernis, wenn ihre Population überhandnimmt und sie öffentliche Plätze, Einkaufszonen und Bänke mit ihrem Kot verschmutzen. Das Problem ist also „hausgemacht“ und nicht neu und doch fanden sich bisher nur wenige Städte, die über das Fernhalten durch Netze und Spikes hinaus, Lösungen gefunden haben. Die Stadttauben werden durch das Vertreiben, auch „Vergrämung“ genannt, aber nur von  bestimmten Orten ferngehalten und auf andere Plätze gezwungen, wo es zu einer Überbelegung, Verkotung und zu Kämpfen zwischen rivalisierenden Tieren kommt.

Als Nachfahren der Felsentaube sind sie auf die Gebäude der Stadt als Lebensraum angewiesen und können nicht aufs Land vertrieben werden. In der Stadt finden sie aber kaum artgerechtes Futter und halten sich deshalb gerne dort auf, wo sie auf Essensreste und den ein oder anderen vermeintlichen Taubenfreund treffen, der sie aus der Hand füttert.

In einem Berichtsantrag vom Oktober 2018 haben wir die Bezirksverwaltung auf die Problematik hingewiesen und unseren Vorschlag unterbreitet, den Bau von Taubenschlägen in Betracht zu ziehen, welche in einigen Städten bereits eingesetzt werden. Die Vorteile in der Theorie: Die Tiere halten sich vorwiegend am und im Schlag auf weil sie hier gefüttert werden. Es gibt kaum noch Tauben auf Gehwegen und Fassaden und die Verschmutzung nimmt ab. Artgerechtes Futter führt außerdem zu gesunden Tieren, kranke und verletzte Tiere können leicht isoliert werden. Und der Austausch der Eier durch Gipseier führt zu einer systematischen Populationskontrolle.

Im Zuge der Recherchen, was die Erfahrungen in anderen Städten angeht, sind unsere Mitglieder des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt und Verbraucherschutz zu der Erkenntnis gelangt, dass allerdings nur eine Kombination aus Taubenschlag, altbewährten Fernhaltemaßnahmen wie Netzen und der Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Tauben nicht zu füttern, auf Dauer zu Erfolgen führt. Gerade die Aufklärung, Überzeugung und Mitnahme der Bevölkerung ist dabei essentiell. Mithilfe eines Runden Tisches soll nun besprochen werden, wie in Zukunft in Harburg mit den Tauben umgegangen wird. Unser Vorschlag wäre eine Kombination aus gut gewarteten Taubenschlägen, einem Durchsetzen des Fütterungsverbotes und einem konsequenten Reinigen der Straßen und Plätze, da Tauben sich häufig von weggeworfenen Nahrungsmitteln ernähren. Eine Medienkampagne soll den Harburgern erläutern, wie der Bezirk vorgeht, da der Erfolg maßgeblich von der Bevölkerung abhängt. Erfolgreich sind wir dann, wenn es Harburgs Tauben gut geht und sie nicht mehr als störend empfunden werden.

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