Am Mittwochnachmittag starb ein 11-jähriger Junge auf dem Fahrrad an der Winsener Straße in Harburg. Die Harburger Grünen sind fassungslos und trauern mit der Familie des Kindes. Der genaue Unfallhergang wird derzeit noch ermittelt.
„Solch eine Tragödie hat nie eine einzelne Ursache. Sie ist immer das Ergebnis einer Verkettung von verschiedenen Faktoren. Im Moment wissen wir zu wenig darüber, warum der LKW-Fahrer das Kind nicht gesehen hat, um uns ein Urteil erlauben zu können“ sagt Michael Sander, Co-Fraktionsvorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Bezirksfraktion. „Was wir aber sagen können, ist, dass die Einmündung nach den geltenden Normen gebaut ist und demnach als eine ‚sichere‘ Stelle gegolten hat“ fährt er fort. „Es gibt Hunderte von Kreuzungen in der Stadt, die unübersichtlicher sind und wo der Radverkehr schlechter wahrgenommen werden kann. Und dennoch kam es genau an dieser scheinbar sicheren Stelle zu dem schrecklichen Unfall.“
Die „Vision Zero“ ist das verkehrspolitische Leitbild eines sicheren öffentlichen Verkehrs, bei dem keine Menschen mehr durch Verkehrsunfälle sterben. Die Grüne Fraktion hat bereits zahlreiche Anträge für mehr Verkehrssicherheit in der Bezirksversammlung Harburg gestellt, manche davon mit erfolgreicher Umsetzung. Oft geht es darum, den Kfz-Verkehr zu verlangsamen, denn langsamerer Verkehr produziert weniger und vor allem weniger schwerwiegende Unfälle. Aber auch die Übersichtlichkeit von Kreuzungen, die Ermöglichung von sicheren Fahrbahnübergängen für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmende, klare Beschilderungen und Signalisierungen gehören dazu. Auch Forderungen nach Abbiegeassistenten für LKWs und zusätzliche sicherheitsrelevante Inhalte in der Führerscheinausbildung gehören zu den Instrumenten, die „Vision Zero“ umzusetzen.
Obwohl mittlerweile die Verkehrssicherheit zu einem gleichberechtigten Ziel in das Straßenverkehrsgesetz aufgenommen wurde, ist der Kampf für mehr Sicherheit im Straßenverkehr weiterhin ein zähes Ringen: „Insbesondere die Straßenverkehrsbehörden tun sich weiterhin schwer mit so genannten ‚Beschränkungen des fließenden Verkehrs‘“, sagt Michael Sander. „Wir könnten viel mehr Sicherheit für alle erreichen, wenn wir endlich davon wegkommen, dass immer erst etwas passieren muss, bevor Sicherheitsvorkehrungen umgesetzt werden.“
Im konkreten Fall werden die Harburger Grünen eine ganze Reihe von möglichen Verbesserungen vorschlagen. „Es ist möglich, an Einmündungen die Fahrbahn aufzupflastern, sodass die Kfz, die aus der Nebenstraße kommen, eine deutliche Schwelle haben, wenn sie den Geh- und Radweg überqueren wollen. Schneller und mit wenig Aufwand umsetzbar ist es, Radwegefurten über Nebenstraßen rot einzufärben“ beginnt Michael Sander mit der Aufzählung möglicher Maßnahmen. „Außerdem sollte geprüft werden, ob hier eine Ampel sinnvoll ist, denn im jetzigen Zustand spähen die Kfz-Fahrenden schon in der Anfahrt nach der ersten Lücke im fließenden Verkehr der Winsener Straße und vernachlässigen dabei den Blick auf den Fuß- und Radverkehr.“
Für Sonntag, den 19. April um 14 Uhr hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) zu einer Mahnwache am Unfallort (Freudenthalweg, Ecke Winsener Straße) aufgerufen. Die Harburger Grünen unterstützen diesen Aufruf.
