Minus 30% Verkehrsemissionen – Können wir das schaffen?

Von Michael Sander, Mitglied im Ausschuss für Mobilität und Inneres

Für den Bezirk Harburg wird zurzeit ein Klimaschutzkonzept bis 2030 erarbeitet. Mit ihm sollen die Zielvorgaben des Hamburger Klimaschutzplans vor Ort mit konkreten Maßnahmen verknüpft werden. Im Sektor Verkehr ist seit Beginn der Messdatenerhebung zu wenig passiert. Die Emissionen sind heute nahezu gleich groß wie 1990. Wie bei „Bob der Baumeister“ stehen wir vor einer scheinbar kaum zu bewältigenden Aufgabe.

Auf dem „Klimatalk“ zur Mobilität wurden Ideen und Vorschläge für den Verkehrsbereich entwickelt und diskutiert. Dabei gab es zunächst schlechte Nachrichten: Weder die Verlängerung der U 4 noch eine zusätzliche S-Bahn-Querung über die Elbe wird bis 2030 realisiert werden. Die Emissionen werden also mit dem vorhandenen Schienennetz gesenkt werden müssen.

Die zweite schlechte Nachricht: Durch Zuzug in den Bezirk wird der Verkehr zunehmen. Wenn es gelänge, das zusätzliche Verkehrsvolumen durch Optimierungen im Schienenverkehr (Taktverdichtung nach Digitalisierung der Signaltechnik, vermehrter Einsatz von Langzügen, zusätzliche Linie S 32, Nutzung der Güterumgehungsbahn) aufzufangen, wäre das ein großer Erfolg. Kleine Emissionssenkungen können durch die Umstellung aller Schienenfahrzeuge auf Öko-Strom erreicht werden. Aber zu den 30% weniger wird „die Schiene“ nur wenig beitragen können.

Fähr- und Flugverkehr bieten kaum Potenziale für Emissionseinsparungen. Es bleibt der Kfz-Verkehr: Etwa jeder dritte der heute mit Pkw zurückgelegten Kilometer muss künftig CO2-neutral oder gar nicht mehr gefahren werden. Es geht also keineswegs „nur“ darum, dass ein paar mehr Menschen Fahrrad fahren, wenn das Wetter schön ist oder um einige zusätzliche Busse. Nein, wir brauchen alle Anstrengungen: Elektrofahrzeuge, die möglichst viele Verbrennermotoren ersetzen müssen, Car Sharing, neue Buslinien im Großen (X-Bus-Linien z. B. durch den Elbtunnel) und im Kleinen (Quartiersbuslinien als Netzergänzung), Radschnellwege, Velorouten und ein dichtes bezirkliches Fahrradroutennetz. Nicht zuletzt bessere Bedingungen für den Fußverkehr und andere Verkehrsträger, die Autofahrten vermeiden.

Alle diese Maßnahmen müssen schnell und entschlossen vorangetrieben werden. Das Wichtigste ist aber: Die Harburgerinnen und Harburger müssen sich den Klimaschutzzielen verpflichtet fühlen, denn ohne die Bereitschaft der Mehrheit zum Umstieg wird die Mobilitätswende nicht schnell genug geschafft werden. Es geht nur gemeinsam. So wie bei Bob, dem Baumeister: Das „Yo, wir schaffen das!“ funktioniert nur, weil alle Maschinen mit anpacken und am gemeinsamen Ziel arbeiten. Bei Bob lernt man übrigens, dass es nie am Geld scheitert, oder hat jemand schon mal Bob eine Rechnung schreiben sehen?

2 Kommentare

  1. Michael Sander

    Hinweis des Autors:
    Der Satz „Fähr- und Flugverkehr bieten kaum Potenziale für Emissionseinsparungen.“ ist in Bezug auf die bezirklichen Handlungsmöglichkeiten zu verstehen. Insgesamt bietet er natürlich große Potenziale!

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